DAVP Treffen 2012

5. Treffen der Deutsprachigen Arbeitsgemeinschaft Verbrennungsbehandlung Pflege (DAVP) am 8.11.2012 am Bergmannsheil Buer.

„Wir haben uns sehr gefreut, das 5. Treffen der Pflegenden in der Verbrennungsbehandlung in diesem Jahr im Bergmannsheil in Gelsenkirchen ausrichten zu dürfen“, so äußerten sich Thomas Müller und Bettina Inhoff als Organisatoren der diesjährigen Tagung der DAVP, an der 27 Teilnehmer aus fast allen Zentren für die Behandlung Schwerbrandverletzter Deutschlands teilnahmen.

Die DAVP beschäftigt sich mit den besonderen pflegerischen Aufgaben und Problemstellungen dieser speziellen Patientengruppe.
„Für die 5. Tagung haben wir uns inhaltlich im Vorfeld auf die folgenden Themengebiete verständigt: Leistungserfassung/Personalbedarfsberechnung/Score-Systeme, Besonderheiten bei Chemieunfällen und spezielle Hygieneprobleme sollten auf dem Tagungsprogramm stehen“, so Thomas Müller, pflegerischer Fachkoordinator für den Bereich der Behandlung Schwerbrandverletzter an der BKB.

Reinhard Matysik (Bereichsleitung Intensiv), der sich seit vielen Jahren mit der Thematik Leistungserfassung/Personalbedarfsberechnung/Score-Systeme beschäftigt, konnte in seinem einleitenden Vortrag sehr eindrucksvoll darstellen, wie man mit Hilfe von Score Systemen, wie zum Beispiel TISS 28, NEMS oder Inpuls® Entwicklungen in der Intensivpflege, aber auch strukturelle Entwicklungen Darstellungen kann und hieraus den Personalbedarf für die Intensivpflege ableiten kann.

Martin Auweiler vom Berufsgenossenschaftlichen Unfallkrankenhaus Hamburg komplettierte den ersten Themenblock durch die Präsentation der strukturellen und personellen Empfehlungen der diversen pflegerischen und ärztlichen Fachgesellschaften (DIVI, DGF etc.).

Im zweiten Vortragsblock mit dem Schwerpunkt „Chemieunfälle“ stellte Martin Stauder vom Schwerbrandverletztenzentrum der BGU Ludwigshafen die dortigen Standards vor. „Extrem kritisch wird die Situation, wenn nicht dekontaminierte Patienten zur Erstversorgung eingeliefert werden,“ was vor einigen Jahren zu einem Ausfall des Personals der Schwerbrandverletztenintensiv führte. „Wir mussten die meisten Ärzte und Pflegenden der aufnehmenden Schicht mit Kopfschmerzen, Übelkeit, Schwindel und Sehstörungen nach Hause schicken.“ Seit diesem Ereignis hält die BGU Klinik in Ludwigshafen entsprechende Schutzausrüstung vor. Spezialhandschuhe, gas- und feuchtigkeitsdichte Overalls bis hin zu Schutzhauben mit Gasfilter gehören seitdem zur Ausstattung der Station.

Holger Weigt vom Krankenhaus Bergmannstrost in Halle präsentierte anhand diverser Fallbeispiele Aspekte der Pflege und Behandlung unterschiedlicher chemischer Verletzungen. Auch Holger Weigt ging dabei auf die besonderen Gefahren für die Behandelnden ein. „Ohne die Hilfe und die Zusammenarbeit mit der Berufsfeuerwehr und/oder mit den chemischen Betrieben lassen sich solche Unfälle nur sehr schwer bewältigen, da die für die verschiedenen Chemieunfälle benötigten Dekontaminationsmittel auf den Brandverletztenabteilungen meist nicht vorrätig sind.“

Sehr interessiert zeigten sich die Teilnehmer der Tagung bei der Besichtigung unserer Intensivstation unter Integration der vier Betten für die Behandlung von Schwerstbrandverletzten, die auch in das21 Betten umfassende Konzept unserer zukünftigen interdisziplinären Intensivstation integriert sind.

Der Nachmittag war speziellen Hygienethemen vorbehalten.

Ute Storm von der BG Klinik Duisburg stellte die Ergebnisse der bundesweiten BV Infektionsraten (Brandverletzten ITS-KISS) vor, deren bundesweite Erhebung sie mit initiiert hat.

„Wie viel Hygiene braucht der brandverletzte Patient?“ fragte Thomas Müller und berichtete über die Hygienemaßnahmen bei der Behandlung Schwerbrandverletzter im Bergmannsheil Buer. „Früher wurde die absolute Isolation bei brandverletzten Patienten praktiziert, aber in den USA gab es schon vor 25 Jahren Zentren, die ein offenes System praktizierten. Wundversorgungen und Verbandwechsel sind natürlich davon ausgenommen.“ Gleichzeitig haben neue Intensivtherapien, Operationstechniken und lokale Behandlungstechniken das Outcome der Patienten deutlich verbessert.

Thomas Tafertshofer von der BG Klinik in Murnau stellte im Anschluss das dortige Konzept vor, wie auch brandverletzte Patienten auf einer 20 Betten großen interdisziplinären Intensivstation schutzisoliert werden können. Auch in der BG Unfallklinik Tübingen sind die vier Intensivtherapieplätze für die Behandlung von Schwerbrandverletzen in einer großen interdisziplinären Station integriert. Ralf Schleyer führte aus, dass auch hier keine Versorgung dieser Patienten durch Pflegende erfolgt, die gleichzeitig andere Patienten der Station pflegerisch versorgen.

Ihren Ausklang fand die Tagesveranstaltung in der Zeche Zollverein in Essen.
Im Jahre 2013 findet die 6. DAVP Tagung dann in Leipzig oder Bochum statt.